Kraft für den Tag

VonBenjamin Buhr

Kraft für den Tag

Informationen sind wichtig, doch manchmal braucht es auch ein aufmunterndes Wort. In den nächsten Wochen werden hier regelmäßig wechselnde Sprüche, Zitate und Gedanken zu finden sein, die in der aktuellen Situation hilfreich sein können.


Nicht, was wir erleben,
sondern wie wir empfinden, was wir erleben,
macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916)

Wie geht es dir? So ehrlich wie jetzt wird diese Frage selten gestellt. Es geht dabei nicht nur um die Information, ob man gesund oder krank ist. Vielmehr will man wissen, wie der andere die jetzige Situation empfindet. Denn wir erleben alle das Gleiche, aber wir empfinden dabei nicht das Gleiche! Wenn du fragst, wie es jemandem geht, hör genau zu. Wenn du nach deinem Befinden gefragt wirst, antworte ehrlich. Es mag unser Schicksal sein, diese Situation zu überstehen – aber es ist nicht unser Schicksal, sie allein durchstehen zu müssen! Also: Wie geht es dir? Wie geht es dir wirklich?
[06.04.2020; der nächste Beitrag wird zu Ostern kommen]


Je dunkler der Himmel ist,
desto heller werden die Sterne erscheinen.
(Leonardo da Vinci, 1452-1519)

Jeder Hobbyastronom weiß, dass diese Aussage stimmt. Doch auch im übertragenen Sinne passt dieser Satz sehr gut zur gegenwärtigen Situation: Gewissermaßen ist die Nacht gerade besonders dunkel, die Sorgen besonders groß, die Ungewissheit besonders lähmend, die Konflikte besonders tiefgehend. Doch gerade vor diesem Hintergrund gibt es Momente, die besonders hell leuchten: Der Zusammenhalt ist besonders fest, die Solidarität besonders groß, die Selbstständigkeit besonders motivierend, die gegenseitige Unterstützung besonders hilfreich, die Freundschaft besonders tragfähig. Lassen wir diese Sterne hell leuchten!
[03.04.2020]


Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen.
(Arthur Schopenhauer, 1788-1860)

Wir haben nicht alles in der Hand. Das ist ein Kennzeichen einer Krise. Wir befinden uns in einer Situation, die wir uns nicht ausgesucht haben, und die wir kaum ändern können. Doch wir können trotzdem gestalten, wir können die uns zugeteilten Karten so ausspielen, wie es uns im Moment sinnvoll erscheint. Wir haben Handlungsspielraum – nutzen wir ihn!
[01.04.2020]


Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen,
ist, beim Erwachen daran zu denken,
ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tage eine Freude machen könne.
(Friedrich Nietzsche, 1844-1900)

Das ständige Zusammenleben auf engem Raum ist nicht immer leicht. Nun startet die dritte Woche, in der (in den meisten Fällen) von zuhause gelernt und gearbeitet wird. Wie geht es dir damit? Sind die Konflikte mehr geworden? Oder lernst du deine Familie nun besser kennen? Egal, wie deine Antwort darauf ausfällt: Das Zusammenleben ist eine Bereicherung, wenn man sich an Nietzsche hält!
[30.03.2020]


Proud and strong,
slowly but steady,
here the elephants come.
We blast our trunks
like baritone horns.
The rumble of the earth keeps you moving on,
and nothing ain’t stopping us.
(SEEED: Elephants, 2012)

Wie bewältigt man eine Krise? Schritt für Schritt. So wie jede Filmszene ihren eigenen Soundtrack hat, kann auch jede Gefühlslage durch Musik ausgedrückt werden. Probier es einmal mit dem hier zitierten Lied! (Es ist z.B. auf der bekannten Videoplattform zu finden.) Wie bewältigt man eine Krise? Slowly but steady. And nothing ain‘t stopping us!
[27.03.2020]


„Es ist besser, ein Licht anzuzünden,
als über die Dunkelheit zu klagen.“

(aus China)

Jede Krise birgt eine Chance, auch eine Chance im Umdenken. So kann die Quarantänezeit zu einer Kraftzeit werden, die uns Vieles mit neuen Augen sehen lässt. Nicht alles ist negativ, auch wenn es momentan schlimm ausschaut. Diese Zeit wird enden und wir werden sagen, dass sie nicht nutzlos war.
[26.03.2020]


„Die Seele nährt sich von dem,
an dem sie sich erfreut.“
(Augustinus von Hippo, 354-430)

 Arbeitsbedingungen, Betreuung, Zeitdruck, Vorgaben, Erreichbarkeit, … Das alles und noch mehr prägt derzeit unseren Alltag. Doch woran erfreuen wir uns? Vergessen wir nicht, dass Freude nicht bloß oberflächliche Ablenkung bedeutet, sondern – wie Augustinus sagt – Nahrung für die Seele darstellt. Lassen wir unsere Seele nicht verhungern! Lassen wir genug Raum für Freude!
[24.03.2020]


„Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit zum Gebet,
außer wenn du viel zu tun hast,
dann nimm dir eine ganze Stunde Zeit.“
Franz von Sales (1567-1622)

Diese Einstellung ist bemerkenswert, denn meist läuft es umgekehrt: Kraft tanken, ausruhen und sich selbst etwas Gutes tun ist nur dann möglich, wenn man Zeit dafür hat. Gibt es viel zu tun, hat man diese Zeit eben nicht. Dabei kennt auch die Physik diesen Zusammenhang: Arbeit kann nur verrichtet werden, wenn Energie vorhanden ist.
In diesem Sinne: Nehmen wir uns heute ganz bewusst eine halbe Stunde Zeit, nur für uns. Wenn wir besonders viel zu tun haben, nehmen wir uns eine ganze Stunde.
[23.3.2020]


Nicht alles ist abgesagt

Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Beziehungen sind nicht abgesagt
Liebe ist nicht abgesagt
Lesen ist nicht abgesagt
Zuwendung ist nicht abgesagt
Musik ist nicht abgesagt
Phantasie ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Gespräche sind nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt
Nicht alles ist abgesagt …

[20.3.2020]

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